Letzten Montag hatten Christian und ich das Vergnügen einen Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung Organisationspsychologie der Uni Köln zu halten. Prof. Dr. Hans-Georg Wolff wollte den Studenten dadurch ermöglichen einen Praxis-Einblick „in das echte Leben da draußen“ zu erhalten und sich mit dem Begriff der Agilität vertraut zu machen.

Einer, dann alle, alle für einen

Wo also anfangen? Wir starteten erst mal bei den Anwesenden – es war schließlich Montag Morgen 10 Uhr. Die Truppe aus ca. 80 Studentinnen und Studenten lockerten wir mit einer kleinen 1-2-4-all-Adaption auf. Die Frage:

Wie sich herausstellte, hatten viele der Anwesenden bereits Erfahrungen im Berufsleben gesammelt. Nach der ersten Runde, in der sich jeder für sich selbst Gedanken machen konnte, stieg die Raumenergie sprunghaft an, als die Studenten anschließend zweier, vierer und schließlich achter Diskussionsgruppen bildeten.

Die Ergebnis-Session zeigte, dass alle Anwesenden ein gemeinsames Verständnis von guter Führung und angenehmer Arbeitskultur zu haben schienen. Folgende Impulse kamen aus der Gruppe:

  • Expertise
  • Social Skills (Empathie, Vertrauen)
  • Direkte und wertschätzende Kommunikation
  • Respekt
  • Sich Zeit nehmen
  • Realistische Anforderungen / Transparenz
  • Fördern (Karriere/Werdegang)
  • Struktur
  • Konsistenz
  • Hierarchieunabhängiges Arbeiten
  • Selbständiges Arbeiten fördern
  • Anerkennung
  • Fairness

Menschenzentrierte Arbeitskultur als Wertschöpfungstreiber

Mit dieser Erkenntnis im Rücken, bogen wir thematisch in unser Leitbild der menschenzentrierten Arbeitskultur ein. Dabei war uns wichtig zu betonen, dass es sich hier nicht um reines „Gutmenschentum“ handelt, das in einer wirtschaftlich geprägten Welt kaum Platz findet. Im Gegenteil entsteht eine Win-Win-Situation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Denn motivierte Mitarbeiter mit der intrinsischen Motivation wertschöpfende Arbeit zu leisten, helfen ihrem Unternehmen ganz automatisch dabei profitabler zu werden, weniger Qualitätsprobleme zu verzeichnen und zufriedenere Kunden zu haben. 

Diese These ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern wird von der repräsentativen Studie Engagement Index Deutschland, bzw. State of the Global Workplace  untermauert. 

Agilität braucht Arbeitskultur

Bisher hatten die meisten Studenten wenige bis keine Berührungspunkte mit dem Thema Agilität. Dementsprechend gaben wir einen groben Überblick über das agile Werteverständnis, sprachen über die Allen Curve, Stacey Matrix, Lean und natürlich über das Agile Car sowie das köstlich treffende Dokument des amerikanischen Verteidigungsministeriums Detecting Agile BS. 

Mit dem zuvor besprochenen Kontext der Arbeitskultur wurde schnell klar, dass ein agiles Mindset nur Bestand haben kann, wenn die Grundlagen der menschenzentrierten Arbeitskultur vorhanden sind:

  • ohne Transparenz kein Potenzial für Verbesserungen
  • ohne Fehlerkultur keine mutigen Experimente
  • ohne psychologische Sicherheit keine Innovation
  • ohne Kooperation keine Entscheidungsfindung
  • ohne Empowerment keine selbständig denkenden Mitarbeiter

Fazit

Die Resonanz in der abschließenden Frage-Runde und darüber hinaus hat uns gezeigt, dass die Arbeitnehmer von morgen sehr genau wissen worauf es ihnen in der Arbeitswelt ankommt. Jeder Mensch hat ein Interesse wertgeschätzt zu werden – das gilt im beruflichen Alltag ebenso wie im privaten. Wenn daraus ein besseres Miteinander entsteht und gleichzeitig noch bessere Produkte und erfolgreichere Unternehmen, haben wir allen Grund stetig für Agilität auf Basis einer menschenzentrierten Arbeitskultur zu kämpfen.

Uns hat es jedenfalls großen Spaß gemacht diese Denkweise nicht nur im unternehmerischen Kontext zu streuen, sondern auch im universitären Umfeld. Wir freuen uns auf Wiederholung im nächsten Jahr.