Retrospektive in Kurzform

Ein einfaches Rezept für eine kurze Retrospektive, wenn ausnahmsweise mal wenig Zeit zur Verfügung steht.

Zweck einer Retrospektive

Mit der Retrospektive werden die drei grundlegenden agilen Säulen Transparenz, Überprüfung und Anpassung angewendet. Das Team schaut gemeinsam in voller Transparenz auf die Höhen und Tiefen der Zusammenarbeit, überprüft dann, ob und was verbessert werden sollte, und beschließt eine Anpassung des betreffenden Prozesses.

Eine gute Retrospektive dauert 90-150 Minuten. Manchmal steht aber weniger Zeit zur Verfügung. Bevor die Retro ganz entfällt, lässt sich besser eine Kurzform anwenden. Hier ein Vorschlag, der trotz seiner Kürze auf alle fünf Phasen nach Derby/Larsen eingeht.

Ablauf einer Mini-Retro auf einem Flipchart

Ablauf

Der Ablauf einer Retrospektive ist nicht festgelegt. Es gibt kein richtig oder falsch. Im Grunde ist alles erlaubt, was nach den oben genannten Kriterien zum Erfolg führt.

Ausgelöst durch den Erfolg des Buches Agile Retrospectives von Diana Larsen and Esther Derby hat sich jedoch als Grundgerüst ein Ablauf in fünf Phasen etabliert.

Phasen frei gestalten

Das Dankbare an den im Buch definierten Phasen ist, dass deren Ausgestaltung offen bleibt. Dies lädt dazu ein, die Retrospektive so zu gestalten, wie es der Situation des Teams am Dienlichsten ist.

Derby und Larsen bieten in ihrem Buch selbst eine Fülle von möglichen Übungen an, inklusive ausführlicher Beschreibung und Empfehlung für welche Phase diese am Besten geeignet sind.

Die Phasen im Detail

  • 1) Set-the-stage: Check-in

    5-10 Minuten · Zu Beginn jeder Retro sollte ein Check-in stehen. Hier eignet sich eine kurze Variante. Jeder Teilnehmer könnte bspw. dazu angehalten werden, sich auf 1 Minute zu beschränken, oder seine Gedanken in ein Wort oder einen Begriff zusammenzufassen.

    Wie funktioniert ein Check-in?
  • 2) Gather data: Plus/Delta

    10 Minuten · In zwei Spalten sammeln die Teilnehmer auf Post-Its, was gut lief (links) und was verbesserungswürdig ist (rechts). Jeder Teilnehmer ist angehalten, max. 3 Zettel zu schreiben.

  • 3) Generate insights: Dot-Voting

    5 Minuten · Mit einem einfachen Dot-Voting entsteht schnell eine Erkenntnis, wo der Schuh am meisten drückt. Das Ergebnis der Mehrheitsnennung kann überraschend sein.

  • 4) Decide what to do: 1-2-4-All

    20-30 Minuten · Jeder Teilnehmer bekommt 5 Minuten, um eine Lösung für das höchst votierte Problem zu erarbeiten. Anschließend finden je zwei Teilnehmer für 5 Minuten zusammen, um aus ihren Vorschlägen den besseren auszuwählen oder einen neuen zu gestalten.

    Bei mehr als 7 Teilnehmern kommen nun je 2 Paare für weitere 5 Minuten zusammen, um ihre Essenzen jeweils auf dieselbe Art zusammenzufügen.

    Abschließend hat die ganze Gruppe zusammen 10 Minuten Zeit, um sich für eine der genannten Lösungen zu entscheiden.

  • 5) Closing: Blitzlicht

    5 Minuten · Jeder beantwortet reihum mündlich Fragen ähnlich dieser Art:

    • Was habe ich gelernt?
    • Was wünsche ich mir beim nächsten Mal anders?

Fazit

Diese Form der Retrospektive kann innerhalb einer Stunde durchgeführt werden, und passt damit auch in bereits stark gefüllte Kalender. Dennoch liefert sie die notwendige Ruhe und Zeit, um gute Ergebnisse erarbeiten zu können.Besonders effektiv wird diese Retrospektive, so wie im Grunde jede andere auch, wenn der Fokus aller darauf liegt, nur eine Maßnahme zur Verbesserung zu finden. Damit steigt die Chance auf deren erfolgreiche Umsetzung und sichert so den Nutzen der Retrospektive.